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P.T. MAGAZIN 02/2014

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Gesellschaft 6

Gesellschaft 6 Notenbankdiktator Draghi: Das Tyrannensedativ „Brot und Spiele“ ersetzt durch „Leitzinsen runter!“ (Montage: OPS Netzwerk GmbH/F. Enge Bilder: World Economic Forum/Wikimedia; Piotr Witkowski/Wikimedia) „Ja mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht / und mach nur einen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht“ (Berthold Brecht). EZB-Chef Mario Draghi hat in einem Wutanfall zum Jahresende die Ängste der Deutschen bezüglich der angeblich erfolgreichen Notenbankmaßnahmen als pervers bezeichnet. Ihn verteidigende Journalisten haben dazu erklärt, Draghi meine „pervers“ nicht im deutschen Sinne (etwa: Merkel peitscht die Griechen aus), sondern in englischer Lesart heiße „pervert“ verdrehte Sicht. Folgt man dieser Logik, kann man Draghi wiederum „perversity“ im Sinne von Eigensinn vorwerfen: Denn Draghi und andere Anhänger von Keynes betrachten niedrige Zinsen und andere Geschenke der Zentralbanken als warmen Regen, der die Wirtschaft zum Blühen und Wachsen bringt. Nur leider ist der Plan bisher schiefgegangen. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhöhe und die Inflation mit 0,7 % unter Draghis Ziel von 2 % (vgl. Handelsblatt 8.1.2014). Gesundbeter stilisieren die Wachstumsprognose von 0,1 % für die Eurozone zu „Anzeichen für eine Wende“ hoch, so wie letztes Notenbankster Nicht der aus bitterer Inflationserfahrung besorgte Deutsche ist pervers, sondern der Notenbanker, der die Gesetze der Dialektik nicht kennt Jahr, als Finanzminister Schäuble (vor Zypern) die Eurokrise für beendet erklärte. Jetzt erwägt man Strafzinsen für, bei der EZB gebunkerte, Übernachtgelder und darüber hinaus Langfristkredite an Banken nur dann zu vergeben, wenn diese zweckgebunden an die Realwirtschaft sind. Doch leider waren die bisherigen Geldgeschenke an die Banken nicht mal fürs Kreditgeschäft nützlich. Im November 2013 ging die Kreditvergabe in Deutschland um 1,4 %, in Italien um 5,9 % und in Spanien um 19 % zurück. „Unkonventionelle Maßnahmen“ als Brandbeschleuniger Erfolglos im Schützengraben des Kampfes gegen die Rezession fordern die neuen Feldherren, Politiker und Zentralbanker, noch mehr Macht und noch mehr Spielraum für „unkonventionelle“ Maßnahmen. Dabei sollte es statt den Dollars, die „Helikopter-Ben“ (US- Notenbankchef Ben Bernanke) abwerfen wollte, lieber Hirn vom Himmel regnen. Denn die Ankäufe von Staatsanleihen und eine Nullzinspolitik waren schon erfolglos, als diese Instrumente eingesetzt wurden, um im Jahr 2000 das angeschlagene Japan zu retten. Ursache ist in allen nördlichen Industrieländern das Overbanking. Die Finanzoligarchie hat in den vergangenen Zeiten mit Deregulierung, Expansion aller Trading- „Helikopter Ben“ Bernanke, US-Notenbankchef, würde im Deflationsfall gerne Banknoten aus Hubschrauberfenstern werfen. Inflationsrate in der Europäischen Union und in der Euro-Zone von 2003 - 2013 4% 3% 2% 1% 0% 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 EU Euro - Zone Quelle: International Monetary Fund Laut EZB-Papier lag die Inflation in der Euro-Zone zuletzt deutlich unter den von Draghi angepeilten 2 Prozent. Problem: Unter Nutzung hedonischer Methoden wird die Inflation seit Jahren schöngerechnet. Die tatsächliche Inflation dürfte um einiges höher sein. (Foto: Wikimedia/Public Domain) P.T. MAGAZIN 2/2014 P.T. MAGAZIN 2/2014 Instrumente und einer Inflation sinnloser Finanzprodukte erreicht, dass die Geschäftsvolumina der Banken weitaus größer sind als die Bruttoinlandprodukte ihrer Wirtsländer. Dadurch stieg auch die Gesamtverschuldung in vielen Ländern auf ein Mehrfaches ihres BIP. Alle Maßnahmen der Zentralbanken der Nordhalbkugel laufen darauf hinaus, diese Blasen bildenden Ungleichgewichte (z.B. Immobilien, Kunst, Aktien), die weitaus gefährlicher sind als alle Handelsbilanzungleichgewichte, weiter zu erhöhen. Die Feuerwehr wird zum Brandstifter, könnte man sagen. Akteure der Realwirtschaft wissen das und müssen Reserven vorhalten, um nach dem Platzen der Blasen nicht durch entzogene Kredite und Notverkäufe pleite zu gehen. Sparer wissen das und sparen nicht mehr oder sie weichen auf (noch) nicht regulierte Alternativen (Gold, Bitcoins, u.a.) aus, während die Sparbuch- und Anleiheersparnisse in der finanziellen Repression dahinschmelzen. Tatsächlich erzeugt so erst das frische Geld der Zentralbanken den Investitionsund Wachstumsstau, den es bekämpfen will. „Einheit und Kampf der Gegensätze“ würde der materialistisch-dialektische Denker sagen und Draghi als Hegelianer, der an die Wirksamkeit von reinen Ideen glaubt, bezeichnen. Oder mit Goethe: „Vernunft wird Unfug, Wohltat Plage, weh Dir, dass Du ein Enkel bist“. „Das US-Finanzsystem umfasst 54 Billionen Dollar an Krediten, basierend auf dem Vertrauen in eine Notenbank, die nichts in ihrem Tresor hat, um sie zu decken. Erstaunlich!“ William H. Gross, Chief Investment Officer, PIMCO, Kalifornien Gelddrucken war noch nie eine Lösung Die Situation ist überdies nicht neu und vergleichbar mit der, als die USA ihre Vietnamkriegsschulden abbauen mussten, die Notenbank politisch geführt Geld druckte und der Goldstandard unter Präsident Richard Nixon abgeschafft wurde. Erst als der damals neue Notenbankchef Paul Volcker den Hebel völlig herumriss und die Zentralbankzinsen bis auf 11 % erhöhte, wurde die im billigen Geld ersoffene Ökonomie trocken gelegt und Paul Volcker brachte in den späten 70ern mit äußerst hohen Leitzinsen die US-Inflation unter Kontrolle. Unpopulär, aber wirksam. (Foto: European People‘s Party/Wikimedia Commons) Über den Autor n Dr. Volker Gallandi ist seit 1986 im Wirtschafts-und Finanzsektor (Immobilien-und Wertpapierkapitalanlagen) als Rechtsanwalt tätig, ebenso als Autor und teilnehmender Beobachter im Bereich Recht und Wirtschaft. alle Preise gehorchten wieder Marktgesetzen, der Wiederaufstieg begann. Dasselbe ist wieder angezeigt, auch wenn es lange nicht passieren wird. Und die Folgen? (Foto: Joanne Rodriguez / flickr.com) 58 Millionen Dollar für Koons Ballonhund: Weil die staatlichen Gelddruckmaschinen munter vor sich hin rattern, werden solche wahnsinnigen „Investments“ überhaupt erst möglich Der Ballonhund von Jeff Koons wird nicht mehr 60 Millionen, sondern nur noch 10.000 USD wert sein, Oligarchen müssen Jachten zu Spottpreisen verkaufen, der Derivatehandel und Aktienhandel auf Kredit bricht ein, die Börsen sind auf Talfahrt, alle Euroländer müssen nach dem haushalten, was ihre Anleihen auf dem Markt kosten. Nur die Länder mit vollendeten Strukturreformen und guter global leistungsfähiger Wirtschaft werden belohnt, nicht die Schuldenmacher und Verschwender. Wer per Saldo Vermögen hat, überlebt, wer per Saldo überschuldet ist, kann es nicht mehr verbergen. Banken müssen wieder hohe Zinsen für Kredite verlangen, sie haben wieder ein Geschäftsmodell. Unternehmen finanzieren nicht Unfug auf Kredit, weil billiges Geld nur so herumliegt. Man schaut wieder auf die Betriebe und ihre Ertragskraft, nicht auf das Hüsteln eines Notenbankers. Der Markt kann wieder seine Kräfte entfalten und nicht ein eigensinniger Notenbankdiktator, dessen „Landkarte“ mit dem Land, das er beherrschen will, wenig zu tun hat. n Volker Gallandi

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