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P.T. MAGAZIN 02/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Gesellschaft nicht. Die

Gesellschaft nicht. Die NIEs können nicht halten, was ihre Verfechter versprechen. Pflanzen leisten zu wenig Das Elend fängt schon mit der Biomasse an: Menschen haben viele Jahrtausende ausschließlich auf Grundlage von Bioenergie gelebt – auf niedrigem Niveau. Zwei Fünftel der Weltbevölkerung (etwa 3,7 Milliarden Menschen) heizen und kochen immer noch mit Holz, Torf oder Dung. Was diese Menschen aus Mangel nutzen, soll in Deutschland zur erneuerbaren Vollversorgung beitragen. Strom, Wärme und Treibstoff aus Pflanzen wird, je nach Szenario, mit 10-20% angesetzt. Von allen NIEs ist die Energie aus Pflanzen jedoch die ineffizienteste. Schuld ist die Natur: Die Fotosynthese wandelt weniger als 1% der Sonnenstrahlung in Pflanzenmasse um. Pflanzen und Tiere kommen damit seit Urzeiten gut zurecht. Auch für die Nahrungsmittelproduktion reicht es, wenn der Mensch durch Düngemittel, Pflanzenzucht und Gentechnologie nachhilft. Energetisch sieht es allerdings schlecht aus: Selbst schnell wachsende Bäume in warm-feuchtem Klima liefern selten über 15 Tonnen Zuwachs pro Hektar und Jahr; in trockeneren Gebieten sind es zwischen 5 und 10 Tonnen. Dieser jährliche Zuwachs entspricht einer Leistungsdichte von mageren 0,3-0,9 Watt pro Quadratmeter. 2 Forschung zwecklos Es kommt noch ärger. Die geerntete Pflanzenmasse muss in Sprit oder Strom umgewandelt werden. Dabei treten Verluste auf. Der deutsche Chemiker Hartmut Michel – er erhielt für seine Arbeiten zur Photosynthese den Nobelpreis – hat die Umwandlungskette durchgerechnet. „Aus europäischer Biomasse hergestellte Biokraftstoffe“, so folgert er, „enthalten gerade mal ein Tausendstel der Energie des Sonnenlichts, das auf das zur Produktion der Biomasse verwendete Ackerland gefallen ist.“ 3 An dieser schlechten Bilanz kann auch Forschung nichts grundlegend ändern. Selbst wenn „Biotreibstoffe der zweiten Generation“ die Ausbeute verdreifachten, so hieße das nur, dass statt einem Tausendstel nun drei Tausendstel der ohnehin dünnen Sonnenenergie geerntet werden können. Ein Durchbruch ist das nicht. Sonne und Wind – besser, aber nicht gut genug Sonnenlicht liefert nur dünne Energie. Das ist auch gut so. Denn sonst würde alles irdische Leben verbrennen. Was aber für die Biosphäre gut ist, reicht nicht für die Technosphäre. Zwar wandeln Solarzellen rund hundertmal mehr Sonnenlicht in Strom um als Pflanzenzellen. Aber das sind in unseren Breiten im Jahresschnitt etwa zehn Watt pro Quadratmeter Photovoltaik-Fläche. Doppelt so viel gibt es in südlichen Breiten. Sechs Quadratmeter an Solarzellen wären also notwendig, damit eine Glühlampe von 60 Watt ständig leuchten kann. 4 Bei dieser geringen Leistungsdichte ist (und bleibt) Solarstrom sehr teuer, selbst mit massenproduzierten Solarzellen. Sie ist die bei Weitem teuerste der erneuerbaren Energien und trotz massiven Ausbaus im wolkenreichen Musterland Deutschland nicht einmal annähernd wirtschaftlich. Solarpapst Unbestechlich – aber käuflich Frank Asbeck 5 sagte im Jahr 2000 voraus, dass 2004 die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom 12 Cent kosten würde. Sieben Jahre später kostete sie immer noch über 40 Cent, und Asbeck versprach, 2015 Solarstrom für 24 Cent zu erzeugen. Auch das ist Schnee von gestern. Derzeit soll Asbecks Solarstrom 2015 mit 28 Cent Netzparität 6 erreichen. Mehr geht nicht NovoArgumente erscheint zweimonatlich und ist in einigen Buchläden Deutschlands und Österreichs sowie im Onlineerhältlich. Die aktuelle Doppelausgabe kostet 11,95 Euro, das Jahresabonnement Shop von www.novo-argumente.com 37,80 Euro (ermäßigt: 28,50 Euro). Kontakt Thomas Deichmann - Geschäftsführer und Chefredakteur Tel. 069 97206-701 Fax 069 97206-702 info@novo-argumente.com Aboverwaltung und Bestellservice: Erik Lindhorst Erik.Lindhorst@novo-argumente.com www.novo-argumente.com Fast 10 Mrd. Euro hat der Solarstrom die Verbraucher bislang gekostet. Dabei deckte er bislang weniger als 1% des hiesigen Stromverbrauchs. Allein der diesjährige monströse Zuwachs an Solarpanels auf deutschen Dächern wird die Verbraucher nach Schätzung der Verbraucherzentrale in den kommenden zwei Jahrzehnten 36 Mrd. Euro kosten. Die Subventionierung der Photovoltaik, so eine Studie des RWI Essen aus dem Jahr 2008, überstieg bereits damals die Steinkohlesubventionen um das Doppelte, und die Autoren wunderten sich, dass „eine derart massive Subventionierung dieser so 2/2011 P.T. MAGAZIN 15

Gesellschaft Kosten der sog. erneuerbaren Energien – Preise in ct/kWh Jahr EEG KWKG Summe ineffizienten Stromerzeugung keine heiße Debatte in Öffentlichkeit und Politik ausgelöst hat“. 7 Forschung (die in der Solarbranche ohnehin eine geringe Rolle spielt) wird das grundlegende Dilemma der Solarenergie nicht lösen. An Solarzellen forscht man seit einem halben Jahrhundert, aber auch Forscher können keine Wunder bewirken. Wirkliche Durchbrüche hat es nicht gegeben; das Sonnenlicht ist von Natur aus zu dünn, um üppig Energie ernten zu können. Alles in allem ist die Photovoltaik technisch ausgereift. Wenn sie trotz Jahrzehnten an Forschung und massiven Subventionen immer noch hoffnungslos unwirtschaftlich ist, dann muss man eingestehen: Viel mehr ist nicht drin. Viel Wind um nichts Auch die Windenergie ist technisch ausgereift. Sie ist, sieht man von großen Wasserkraftwerken ab, von allen NIEs noch die effizienteste. Dafür tragen Windräder am stärksten zur Verhässlichung der Umwelt bei. Und teurer als Strom aus Kohle oder Uran ist Windstrom allemal. Zwar wurde die Einspeisevergütung für Windräder auf dem Land inzwischen gesenkt; Anmerkungen Summe plus anteilige MwSt Die Zunahme des Brutto-Strompreises von 2004 bis 2010 beträgt 6,15 ct/kWh (von 17,58ct/kWh 2004 auf 23,73 ct/kWh 2010), gerechnet für einen mittleren Verbrauch von 4 000 kWh/Jahr (Quelle: Bürger für Technik e.V.) Windstrom aus Nord- und Ostsee erhält dafür die doppelte Förderung. Auch Windenergie ist begrenzt. Auf der Erde gibt es nur wenige Regionen, wo man sie einigermaßen wirtschaftlich ernten kann. Und auch dort lassen sich nicht beliebig viele Windräder aufstellen. Jede Windmühle entzieht der bewegten Luft Energie. Die Geräte müssen deshalb Abstand voneinander halten, und dieser Abstand ist umso größer, je größer ein Windrad ist. Auf einer gegebenen Fläche lässt sich deshalb nur eine begrenzte Energiemenge ernten. Sie liegt, umgerechnet in Leistung, bei wenigen Watt pro Quadratmeter. Um die Jahresproduktion eines Kernkraftwerks zu erreichen, benötigen Windräder eine Fläche von einigen Hundert Quadratkilometern. Watt versus Megawatt Steigerung zum Vorjahr 2004 0,59 0,336 0,926 1,074 2005 0,72 0,341 1,061 1,23 14 % 2006 0,84 0,356 1,196 1,387 13 % 2007 1,02 0,289 1,309 1,557 12 % 2008 1,364 0,199 1,563 1,86 19 % 2009 1,39 0,231 1,62 1,93 4 % 2010 2,047 0,130 2,177 2.59 34 % 1) US-Dept. of Energy, EIA: International Energy Outlook 2010. 2) Vaclav Smil: Energies. An Illustrated Guide to the Biosphere and Civilization, London 1999. 3) Hartmut Michel: Die natürliche Photosynthese, in: Die Zukunft der Energie. Ein Bericht der Max- Planck-Gesellschaft, München 2008. 4) Juwi: Energieland Rheinland-Pfalz, 2008. 5) Frank Asbeck ist laut FTD vom 2.12.09 „mehrere Hundert Millionen Euro schwer...ersteigert serienweise Villen rund um Bonn“. Im vergangenen Jahr habe er den Stadtwald von Remagen aufkaufen und zu seinem privaten Jagdrevier machen wollen. 6) Netzparität heißt, dass Solarstrom in der Erzeugung so viel kostet wie Strom aus der Steckdose. Im Haushaltsstrom stecken allerdings weitere erhebliche Kosten wie Transportkosten, Abgaben, Steuern etc. Wenn Solarstrom bei 28 Cent Netzparität erreichte, müsste er mit den Zusatzkosten ab Steckdose tatsächlich über 40 Cent kosten. Zum Vergleich: 1 Kilowattstunde Haushaltsstrom kostet derzeit etwa 22 Cent (in Frankreich die Hälfte). 7) Manuel Frondel/Nolan Ritter/Christoph M. Schmidt: Germany’s Solar Cell Promotion: Dark Clouds on the Horizon, in: Ruhr Economic Papers, Nr. 4008. Vor zehn Jahren galt die Einspeisevergütung als Technologieförderung. Windräder und Solarzellen sollten damit zur technisch-industriellen Reife gebracht werden. Dieses Ziel ist inzwischen erreicht, und damit ist die Technologieförderung überflüssig. Wettbewerbsfähig sind die NIEs dennoch nicht, und sie werden es, aufgrund ihrer geringen Leistungsdichte, auch in Zukunft nicht sein. Inzwischen redet die Ökolobby nicht mehr von Technologieförderung. Sie geht stillschweigend davon aus, dass die NIEs bis zur Wettbewerbsfähigkeit subventioniert werden, und sie setzt darauf, dass Kohle und Kernenergie immer teurer werden. Das wird die Verbraucher teuer zu stehen kommen. Allein die Belastungen aus der EEG- Umlage werden von 8,2 Mrd. Euro im Jahr 2010 (2009: 5,3 Mrd. Euro) auf voraussichtlich 13,5 Mrd. Euro im Jahr 2011 steigen. Hinzu kommen, so die Planung, viele Milliarden für Tausende Kilometer von Stromleitungen sowie aufwendige Stromspeicher für die Zeiten, wo der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Der Ökoenergie-Dampfer läuft derzeit mit voller Kraft auf seinen Eisberg zu. Betrachtet man die Größenordnung der Leistungsdichten, liegen die NIEs im Bereich weniger Watt pro Quadratmeter recht dicht zusammen. Die Kernenergie liegt im Megawattbereich. Watt versus Megawatt – das macht die einen ineffizient, die anderen effizient. Kein Grund zur Eile Wenn die deutschen Grünen also im vorauseilenden Gehorsam Öl und Gas so rasch wie möglich durch Sonne und Wind ersetzen wollen, tun sie dem Land keinen Gefallen. Dafür aber anderen. Denen stehen jetzt mehr Öl und Gas zur Verfügung – ein wichtiger Vorteil im globalen Wettbewerb. Billige Kohle reicht nachgewiesenermaßen auch bei wachsendem Verbrauch für viele Hundert, vielleicht mehr als 1 000 Jahre. Uran hat bei vollständiger Nutzung eine Reichweite von mehreren Tausend Jahren, konservativ geschätzt. Und dann gibt es ja noch die Kernfusion, eine immens reiche Energiequelle: Das Lithium aus einem Laptop-Akku und das Deuterium aus dem Wasser einer Badewanne würde ausreichen, um den Energiebedarf eines Menschen für 30 Jahre zu decken. Also – wir müssen nicht hetzen und panisch eine schlechte Lösung vorantreiben. Wir können uns über wichtigere Dinge Sorgen machen. ■ Heinz Horeis Dieser Artikel erschien ungekürzt zuerst in NovoArgumente 110/111 – Januar- April 2011 16 P.T. MAGAZIN 2/2011

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