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PT-Magazin 01 2020

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durchleuchtenden) zu

durchleuchtenden) zu einer modellbasierten Disziplin, deren geistiger Vater wohl Philip M. Morse war. Mit Potthoffs Emeritierung waren die wesentlichen Grundlagen der stochastischen Modellierung von Verkehrsvorgängen gelegt. Aber es gab keinen direkten Nachfolger Potthoffs. Vielmehr erfolgte ein Rückfall in kleinteilige, elementar-deterministische Raum-Zeit-Analysen, die einzelne Elemente des Verkehrssystems beleuchteten, aber zunehmend das Gesamtsystem aus dem Auge verloren. Der Autor kann sich einer Begebenheit etwa im Jahre 1986 erinnern, in der seine und die Arbeiten an der RWTH Aachen zur stochastischen Modellierbarkeit von Fahrplan-Erstellungsprozessen und -qualitäten mit heftiger Kritik sowohl von deutschen als auch von sowjetischen Vertretern des Determinismus kommentiert wurden. Diese Phase überdauerte das Ende der DDR zum Glück nicht. Heute erleben Potthoffs Gedanken und die in den 1990ern wiederbelebte Dresdner Schule der Verkehrswissenschaften nicht nur ihre Renaissance, sondern allerorten ihre Weiterentwicklung: In Aachen mit Prof. Nießen, in Braunschweig mit Prof. Pachl, in Darmstadt mit Prof. Oetting, in Stuttgart mit Prof. Martin (Pachl und Martin sind Schüler des Autors). Sie nutzen auch die Weiterentwicklungen der Bedienungstheorie im Verkehrswesen als Standardwerk. Was bleibt? Potthoffs ausgesprochen human-zentriertes akademisches Ethos: Studenten, Mitarbeiter, Kollegen sind ihm Familie wie zu Führende. Mit sanfter Sprache und fester Kraft führte er sie, die Studenten, Mitarbeiter und Kollegen. Überzeugungskraft resultierte bei ihm aus innerem Wertekanon und äußerer Haltung. • Individuell und persönlich war seine Kommunikation • Begreifbar und anfassbar seine akademische Lehre und seine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse • Anspruchsvoll und nachhaltig die Betreuung der wissenschaftlichen Arbeiten seiner Mitarbeiter und Schüler • Fordernd und zugleich fördernd seine wissenschaftlichen Analysen und wissenschaftspolitischen Verlautbarungen Potthoffs stochastische Modellierung von Verkehrsvorgängen: Mit dem grundlegenden Nachweis der Zweckdienlichkeit stochastischer Modellierung von Verkehrsvorgängen wurden und werden immer neue Innovationen in die Eisenbahnbetriebswissenschaft kreiert. Ein Ende ist nicht abzusehen. Potthoffs Verkehrsmaßlehre: Die zeitlos gültige Verkehrsmaßlehre Potthoffs ist bis heute in ihrer Bedeutung verkannt. Mit den Grundgrößen Verkehrsmenge, - weg und -zeit werden weitere Größen abgeleitet (Verkehrsstromstärke, -Geschwindigkeit, -Arbeit, -Leistung, -Dichte, -Qualität, -Wirkungsgrad, -Energie, …), die weit über die ursprünglichen physikalischen Indikatoren für Verkehrssysteme hinausreichen. Ein Blick in den „Klassiker“ Potthoff tut auch heute not und gut! Absolventen der Dresdner Schule begehrt und überall präsent Der Autor wirkte als Vice President Research & Technology der DaimlerChrysler AG u. a. als Key Account Manager für die AEG-Elektrifizierungs-Geschäftseinheit in Frankfurt/Main. Es war wohl 1998, als er von den ca. 30 anwesenden Führungskräften erfuhr, dass mehr als die Hälfte Absolventen der Dresdner Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ (HfV) seien. Bereits unmittelbar nach 1989 konnte man beobachten, ob und wie Absolventen der HfV im Wettbewerb mit ihren Kollegen aus den klassischen Studiengängen des Bau-, Elektro-, Maschinenbau-Ingenieurs der alten Bundesrepublik um begehrte Arbeitsplätze bei den damals noch beiden deutschen Bahnen (DR und DB) sich arrangieren werden. Ekkehard Wendler, damals frisch gebackener Absolvent der Dresdner HfV, später Professor in Aachen schrieb am 20.01.1992: Derzeit tobe ein Kampf um die „Kompetenzen“ der HfV-Absolventen, und er rät mir (als damaligen Prorektor der HfV), die Absolventen der Technischen Verkehrskybernetik als Bauingeni- PT-MAGAZIN 1/2020

PT-MAGAZIN 1/2020 eure zu bezeichnen, damit sie kompatibel würden. Obwohl die HfV abzuwickeln war, haben wir zum Glück diese Anpassung nicht machen müssen. Im Gegenteil…. Prof. Jörn Pachl schrieb am 22.12.2017: „Sie erwähnten die erstaunliche Zahl an Universitätslehrstühlen, die heute mit Leuten besetzt sind, die aus der von Potthoff begründeten „Dresdner Schule der Verkehrswissenschaft“ hervorgingen. Auch in der Praxis trifft man überall auf Absolventen der HfV oder der Fakultät Verkehrswissenschaften der TU Dresden. Es gibt wohl kaum ein anderes Beispiel aus der jüngeren Wissenschaft, dass ein einzelner Professor mit der von ihm begründeten „Dresdner Schule“ ein Lehr- und Forschungsgebiet über die politischen Systemgrenzen hinweg derart nachhaltig prägte. Dass ich heute nicht nur Hochschullehrer, sondern seit über zehn Jahren Studiendekan eines Verkehrsstudiengangs bin, der seit diesem Jahr übrigens auch an der TU Braunschweig die Bezeichnung Verkehrsingenieurwesen trägt, wäre ohne Potthoff nie möglich geworden….“ Überlebenskünstler Potthoff: Eine „Anekdote“ aus den „Tälern der Ahnungslosigkeit“ Im Zusammenhang mit der Aussendung eines Sonderdrucks Ende des Jahres 2017 erhielt der Autor zahlreiche Resonanzen, durchweg Potthoff würdigende und die Mühe der Ausarbeitung anerkennende. Es gab nur eine kritische Bemerkung: „Er (der Artikel) zeigt die sehr interessante Biographie eines Wissenschaftlers, dem es offenbar gelungen ist, über mehrere Systemwechsel hinweg fast ungebrochen Karriere zu machen. Da würde man gerne mehr wissen.“ Der den Sonderdruck an das Archiv einer ausländischen Universität vermittelnde österreichische Professor zitiert genüsslich seinen Vater (ca. 1890 – 1953). Um 1950 habe er gesagt: „Von 1934 bis 1938 bin ich nicht gesessen, 1938 bis 45 hab‘ ich überlebt, und nach 1945 haben‘s mich auch nicht eingesperrt. Ich muss einen miesen Charakter haben.“ Epilog „…Wir werden in der wissenschaftlichen Erkenntnis umso vollkommener und glücklicher sein, je mehr wir uns diesem Ideal des Zurücktretens der Person hinter der Aufgabe nähern. Das hat zur Voraussetzung, dass wir uns dankbar unserer Vorgänger und Lehrer erinnern, dass wir gern und großzügig mit den Zeitgenossen zusammenarbeiten und dass wir versuchen, unsere Erkenntnisse auf Schüler zu übertragen. Dann braucht uns um die Zukunft der Transporttheorie nicht bange zu sein.“ (Potthoff 1984). Gleichwohl ist ein persönlicher Dank unbedingt notwendig: Dass uns der wissenschaftliche Zugang zu Potthoffs Werk, Leben und Ethos heute so unkompliziert möglich ist, verdanken wir der sorgfältigen Pflege seines Nachlasses im Universitätsarchiv der TU Dresden, besonders Frau Angela Buchwald, Diplomlehrerin und Facharchivarin. ó Der Beitrag erschien zuerst im Band 37 der wissenschaftlichen Schriftenreihe der Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste (http:// www.sudetendeutsche-akademie.eu/ Baende/Band37.php) und dann gekürzt im Dresdner Universitätsjournal 29. Jahrgang | Nr. 9. Über den Autor Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Günter H. Hertel ist Schüler (1966 – 1971) und mittelbarer Nachfolger Potthoffs ab 1992. Er war Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ 1991 – 1992 und Beauftragter für deren Abwicklung. Danach war er Vice President Research & Technology sowie Corporate Quality Management in der DaimlerChrysler AG (beides weltweite Verantwortungen).

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