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PT-Magazin 01 2019

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Gibt es Branchen ohne

Gibt es Branchen ohne Disruptionen? PT-MAGAZIN 1/2019 Wirtschaft 24 Immer dramatischere Veränderungen verdrängen etablierte Verfahren und Lösungen. Viele dieser Disruptionen resultieren aus der Digitalen Transformation. Gibt es überhaupt Branchen ohne aktuelle Disruptionen? Wahrscheinlich nicht! Schon seit 1942 spricht man von der kreativen Zerstörung (Joseph A. Schumpeter) bzw. seit 1997 von disruptiven Innovationen (Clayton Christensen), und meint dabei jene radikalen Neuerungen, welche die bestehenden Technologien, Prozesse, Produkte oder Geschäftsmodelle vollständig verdrängen. Doch es dauerte lange, bis die Wirtschaft (und auch wir Business Coaches) die Notwendigkeit für disruptive Innovationen so richtig verstanden und in unseren Strategien-Werkzeugkasten übernahmen. Während wir früher Innovationen vor allem in Form von Verbesserungen (nach dem Motto: „Schlechter geht immer, zehn Prozent besser aber auch“) und Erweiterungen (wie die Aufnahme weiterer Funktionen oder die Ergänzung von Sortimenten) sahen, so realisieren wir nun, dass unsere Unternehmen entweder selbst Disruptionen bieten müssen, oder sie werden über kurz oder lang von disruptiven Wettbewerbern überrannt. Doch zurück zu unserer Frage nach Branchen mit bahnbrechenden Veränderungen. Mindestens folgende disruptive Innovationen finden wir aktuell in diesen Branchen. Viele von ihnen profitieren dabei von der Digitalen Transformation: • Automotive (CarSharing, eMobility, Car Telematic) • Banken (Kryptowährungen) • Baugewerbe / Immobilien (Building Information Modeling, 3D gedruckte Häuser) © artinspiring - stock.adobe.com • Beratung (Value Chain Intelligence, Digitaler Assistent) • Bildung (KI-basierte Mediatheken, Mix Reality Lernumgebungen) • Chemie (3D Tinte, Nanochemie) • Druck/Papier/Verpackung (Do-It- Yourself dezentrale Produktion) • EDV / IT (Cloud Services, Quantencomputing) • Elektronik (Lithium-Oxygen Batterien) • Energiewirtschaft (Wasserstoff) • Finanzen (Blockchain basiertes Crowd Funding, Initial Coin Offerings) • Forschung / Wissenschaft (Open Source, Open Innovation) • Gesundheitswesen / Pharma (Crispr/ Cas9, 3D gedruckte Herzarterien und Prothesen, Körper-kartographierende Nanoroboter) • Handel / Konsum (Omnichannel, iBeacons, Amazon Go) • Handwerk (Robotik, Drohnen) • Industrie (Matrix Produktion, Preditive Maintenance, Digital Twins) • Internet / Multimedia (Wearables, Sprachassistenten) • Marketing / Marktforschung (Progammatic Marketing, Online Meinungsforschung wie YouGov) • Nahrungsmittel (Rückverfolgung von Produkten dank Blockchain, 3D gedruckte Lebensmittel) • Sport / Fitness (VR-Teilnahme an Sportveranstaltungen, Echtzeit Monitoring) • Telekommunikation (5G Mobilfunkstandard) • Textilbranche (3D gedruckte Wäsche) • Tourismus (AirBnB, Bots statt Apps) • Unterhaltung (YouTube, Netflix, Spotify, DAZN) • Verkehr / Logistik (Hyperloop, Stromladung an Ampeln, Drohnen, Do it Yourself 3D Druck) • Versicherung (Car Telematic, Predictive Risc Management)

Lassen Sie uns aus dieser Liste zwei Beispiele herausnehmen und die Konsequenzen der Disruption genauer erläutern. Starten wir mit der Disruption namens „Do-It-Yourself“: Sowohl für die Branche Druck/Papier/Verpackung als auch für die Verkehr- und Logistik-Branche wurde die zukünftige Möglichkeit erwähnt, zuhause oder in den Betrieben eigene Rohwaren oder Fertigprodukte im 3D Drucker selbständig und lokal zu produzieren. So fertigen bereits heute erste Maschinenbauer ihre eigenen Metallschrauben im 3D Drucker oder Privathaushalte Ersatzteile aus Plastik. Wenn die 3D Drucker (egal ob günstiger 3D-Spritzguss oder modernes additives Manufacturing) in der Zukunft einen ähnlichen Preisverfall zeigen, wie früher die Papierdrucker, dann erleben wir ein wahres „Insourcing“ von Produktionstätigkeiten anstelle des bisherigen Outsourcings. Dies führt zu Umsatzverlusten in der Logistikbranche wie auch der Verpackungsindustrie, da dann nur noch wenig aufwendig verpackte Rohstoffe für den 3D Druck transportiert werden. Die Presse sprach in den letzten Tagen viel von der anstehenden Vergabe der 5G Lizenzen. Aber was bedeutet der nächste Mobilfunkstandard wirklich? Ähnlich wie schon der Wechsel von 2G auf 3G Ende der neunziger Jahre die Tür für viele disruptive Innovationen (wie Smart Phone, m-Commerce oder Streaming) öffnete, so bietet die 5. Generation des Mobilfunks mit einer bis zu 10-mal schnelleren Übertragungsgeschwindigkeit wie der aktuelle LTE Standard ganz neue Wachstumspotentiale für die Vernetzung von Maschinen untereinander, aber auch von uns Menschen. Neue Anwendungen und gar Geschäftsmodelle, wie die Kommunikation mit und innerhalb autonomer Fahrzeuge, die Übertragung von Daten im Rahmen der digitalen (erweiterten oder virtuellen) Realität oder die Unterstützung der datenintensiven Tele-Intensivmedizin können dann auch ohne WLAN und Co. effizienter und effektiver umgesetzt werden. Das Disruptionen aber oft auch zwei Seiten einer Medaille haben, werden wir bei 5G und dem Thema Schutz privater Daten erleben. So wie schon heute 90% des weltweit verfügbaren, elektronischen Datenvolumens erst in den letzten zwei Jahren entstand, so wird die Datenflut und damit auch die Problematik des Datenschutzes mit 5G noch weiter intensiviert. Generell beinhalten Disruptionen immer harte Konsequenzen, wie bereits in ihrer Definition begründet: Sie verdrängen bisherige Standards, machen diese gar obsolet! Mit anderen Worten: Bei jeder Disruption gibt es nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. So zählten schon viele einstmals namhafte Unternehmen zu den Verlierern von Disruptionen: Loewe Röhrenbildschirme konnten nicht mit den Flachbildschirmen konkurrieren, die früheren Kultobjekte Palm Computer und Blackberry erlebten ihren Niedergang durch das iPhone, Kaufhäuser wie Kaufhof Über den Autor Den Chancen und Risiken aber auch den Instrumenten der Digitalen Transformation widmet sich das neue Buch von Marcus Disselkamp „Digital Transformation Management“, welches im Frühjahr 2018 im Schaeffer Poeschel Verlag erscheinen wird. und Karstadt wurden vom Onlinehandel besiegt und die Bankfilialen wurden durch online Banking ersetzt. Dies alles kostete Arbeitsplätze in den etablierten Unternehmen (schaffte aber auch neue bei den Gewinnern), zerstörte Betriebsvermögen (und damit Vermögen von Investoren), aber vor allem verloren ganze Berufszweige an Bedeutung, wie die früheren Mitarbeiter am Bankschalter oder im Reisebüro. Umgekehrt kennen wir heute neue Qualifikationen, die es vor einigen Jahren in der Intensität noch nicht gab: Data Scientist (zum Analysieren riesiger Datenmengen), UX- Designer (Webdesigner mit Fokus auf die Benutzerfreundlichkeit), Cyber Security Experte (IT- und Datensicherheit) oder SEO Spezialisten (für die Optimierung von Suchergebnissen). Das ist aber alles nichts Neues. Schon früher starben Berufszweige, wie etwa die Rohrpostbeamtinnen oder Telefon-Vermittlerinnen bei der Post, die Schriftsetzer für Bücher und Tageszeitungen oder die Verkehrsposten im Straßenverkehr. Es gehört ganz zu der bereit erwähnten schöpferischen Zerstörung (Schumpeter) oder zum Wandel der Natur (Darwin), dass etablierte Unternehmen, Produkte, Berufe oder gar Tierarten dann aussterben, wenn sich eine neue, vermeintlich bessere Alternative ergeben hat. Wichtig ist nur, dass man nicht selbst zu einer aussterbenden Art gehört, weder als Organisation noch als Person. Denn auch das haben bisher alle Disruptionen gezeigt: Nach dem Aussterben einer Art (Dinosaurier) erleben ihre disruptiven Alternativen eine eigene Blüte, bis sie dann von einem disruptiveren Angebot verdrängt werden. ó 25 PT-MAGAZIN 1/2019 Wirtschaft

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