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P.T. MAGAZIN 01/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

(Foto: © Manfred

(Foto: © Manfred Werdermann/PIXELIO) Der ewige Antikapitalismus Über elementare Grundsätze des Wirtschaftens und das Dilemma der Sozialisten Die internationalen Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit, die wir gemeinhin als „Finanzkrise“ bezeichnen, haben bestimmte Sprachregelungen für den öffentlichen Diskurs hervorgebracht. Zu diesen Sprachregelungen gehört nicht nur, von einem „Scheitern der Deregulierung“ zu sprechen oder über „wildgewordene Märkte“ zu philosophieren. Für das meist als „Marktversagen“ titulierte Geschehen werden in aller Regel „Banker“, gerne aber auch „Neoliberale“, verantwortlich gemacht, die die Welt mit ihrer „Gier“ und mit ihren „Spekulationen“ an den Börsen und mit ihren Profitinteressen an den Rand des Abgrundes geführt haben. Verführungen aller Art Im Kern dieser gesamten Rede steht allerdings der proklamierte rhetorische Triumph des politischideologischen Kampfes gegen den „Kapitalismus“ schlechthin. Er sei es gewesen, der – oft in Gestalt eines wildgewordenen Casino-, Raubtieroder Turbokapitalismus – nunmehr Staat und Politik nötige, mit den ungeheuerlichsten Sonderanstrengungen Rettungsmaßnahmen auszubringen. Wären die Finanzmärkte von Beginn an ordentlich reguliert gewesen, heißt es, wären uns Schutzschirme, Milliarden-, Billionen- und Billiarden- Programme erspart geblieben. Meine These gegen all dies ist, dass uns viele – wenn nicht gar alle – dieser Debatten erspart geblieben wären (und weiterhin erspart werden würden), hätten wir in unseren Schulen nicht verabsäumt, unsere Mitbürger von Anbeginn ihres ökonomischen und politischen Daseins über einige elementare Grundsätze sowohl des Wirtschaftens insgesamt, als auch über Sinn, Zweck, Inhalt und Bedeutung insbesondere des „Kapitalismus“ anhand seiner historischen Empirie zu unterrichten und aufzuklären. Dies hätte sie immunisiert gegen Verführungen aller Art. Kollektive Unkenntnis Infolge dieser volkspädagogischen Versäumnisse herrschen in breiten und breitesten Bevölkerungskreisen also ganz zwangsläufig manifest unrichtige Vorstellungen darüber vor, was denn Kapitalismus überhaupt ist. Folglich kann nicht wundern, wenn der Feld, Wald- und Wiesenbürger unseres Landes ökonomisch immer wieder in wirtschaftliche – und ideologische – Fallen läuft (bis hin in die legislativ sorgsam auswattierte Sackgasse namens Privatinsolvenz). Besonders aber kann nicht wundern, wenn nun – in der ausgebrochenen Krise des Geldes und des Wirtschaftens – gerade diese verbreitete kollektive Unkenntnis denk- und merkwürdige Fehlvorstellungen hervorbringt, an denen sich die öffentliche Auseinandersetzung ebenso ziel- wie hilflos abarbeitet. Und wenige erst haben bislang den Mechanismus dieser Ignoranz der Vielen unter dem Organigramm einiger weniger verstanden, den Reinhard K. Sprenger kürzlich auf die Formel verdichtete: „Je hilfloser die Menschen, desto mehr können Politiker verteilen und regulieren. Vor allem auch zu ihren eigenen Gunsten. Deshalb etikettieren sie ihre eigenen Interessen als Gemeinwohl.“ Private Kapitalbildung unmöglich Leben wir heute in Deutschland (und andernorts) „im Kapitalismus“? Und falls nein: Was genau ist eigentlich „gescheitert“, wenn nicht „der Kapitalismus“? Beide Antworten sind für eine überwiegende Mehrheit sicher erstaunlich: Zum einen müssen wir feststellen, dass es eine wirkliche private Kapitalbildung schon unter heutigen Bedingungen praktisch nicht mehr gibt. Denn: 1. Wir leben mit absichtsvoll politisch interventionstauglichem, inflationierendem, staatlichem Papiergeld („fiat money“). Sparen nützt also nichts. Es bildet kein Kapital. Zusammen mit – selbstverständlich wieder steuerpflichtigen – Zinserträgen schwindet seine Kaufkraft von Jahr zu Jahr. 8 P.T. MAGAZIN 1/2011

Gesellschaft Meine in Geld ausgedrückte und angesammelte Arbeitskraft schmilzt unter der Sonne einer staatlichen Geldmengenpolitik dahin. Der Geldsparer kann kein „Kapitalist“ werden. 2. Wir haben darüber hinaus staatliche Zinsvorgaben. Nicht Du und ich bestimmen den Preis von Geld und Kapital auf der Zeitachse, sondern die staatlichen Zentralbanken tun es. Sie heben und senken den Leitzins je nach eigener Einschätzung der Lage. Und sie tun dies gezielt, um unser Geld für uns billig oder teuer zu machen. Auch hier kann „Kapital“ nicht frei entstehen. Im Gegenteil: Allenfalls das falsche Scheinkapital namens Papiergeld kann, durch pfiffige Investition oder Spekulation, zu noch mehr Schein aufsteigen. Ebenso schnell löste es sich bisweilen in Nichts auf. Das ist kein kapitalistisches Kapital. 100-Billionen-Dollar-Schein aus Simbabwe: Warum nur sind die kapitalistischen Unternehmer in Simbabwe so gierig, dass sie ihre Regierung zwingen, solche gigantischen Banknoten herzustellen? Es fällt schwer, in Anbetracht des Leidens von Simbabwe nicht in Sarkasmus zu verfallen. (Foto: Archiv) 3. Wir haben des Weiteren das Teilreserveprivileg der staatlich konzessionierten Banken. Ihnen ist erlaubt, was keinem Normalbürger gestattet wäre. Sie verwahren einerseits unser Sparer-Geld, doch sie geben es andererseits zur gleichen Zeit wieder an Dritte heraus. Ihre Eigenkapitalquote ist daher homöopathisch gering. Würden alle Sparer ihre Einlage gleichzeitig zur Auszahlung verlangen, wären sie in derselben Sekunde (ohne künstliche staatliche Garantien) zahlungsunfähig. Dies ist die wahre Ursünde aller undurchsichtigen Derivatgeschäfte, nichts anderes. Die ahnungslosen Sparer wähnen sich reich, doch sie sind es gar nicht. Am allerwenigsten sind sie „Kapitalisten“. Ihnen hat nur in der ganzen Breite noch niemand verraten, was ein „bank run“ ist. 4. Wir haben darüber hinaus – zunehmend – ein System der Wertzerschlagung von Unternehmenskontexten mit dem Tode des Unternehmers; denn die einschlägigen Modifikationen des Erbrechts machen es unmöglich, den wertschöpfenden Sachwert „Unternehmen“ privatautonom in Folgegenerationen weiterzugeben. Auch hier also: kein Kapitalist im eigentlichen Sinne weit und breit. 5. Zusammenfassend müssen wir uns demnach gestehen: Das, was wir da leben, ist mitnichten „Kapitalismus“. Es ist ein System des Als-Ob- Kapitalismus; eine Konstruktion, die privates Eigentum und seine Verfügbarkeit an der juristischen Oberfläche garantiert, die aber jeden Zugriff der Regierung auf seine Nutzung und seine Substanz vorbehält. Realitätsprinzip wird ausgehebelt Dieses (!) System ist also gescheitert, nicht „der Kapitalismus“. Dieses System war weder maßvoll noch nachhaltig, noch sinnvoll allokierend, noch dezentral-erzeugernah, noch gar wirklich geldgedeckt. Es war (und ist!) ein Blasensystem, dessen Charakteristikum neben den skizzierten Eingriffsvorbehalten zentral darin besteht, uns mit Papiergeld mehr Tauschmittel – also: Mittel zum Tausch – zur Verfügung zu stellen, als es Güter zum Tauschen gibt. Paradoxerweise wird der politische Kampf gegen die Gier derzeit just dadurch geführt, dass der Gegenstand genau dieser Gier, nämlich das Geld, Literatur: wüst vermehrt wird. Die eingangs beschriebene Öffentlichkeit hat dieses Paradox noch nicht gesehen. André Glucksmann hingegen schreibt bereits: (In einem Geldsystem auf Papierbasis statt auf Deckungsbasis) „gründet die Wirklichkeit in der Rede, während im Normalfall die Rede in der Wirklichkeit gründet…Analog dazu wird die Finanzblase, indem sie Kredit auf Kredit anhäuft, zu einer Verkörperung der Selbstaffirmation. Sie ist gefangen in dieser Selbstbeziehung, die sie eben zu einer Blase macht. So wird das Realitätsprinzip schrittweise ausgehebelt; nichts anderes gilt mehr als die durch meine Investments erfundenen Finanzprodukte.“ Kontrolle statt Vernunft: Es werde Geld! Warum machen wir es nicht einfach anders? Warum führen wir nicht wieder unmanipulierbare, am besten miteinander konkurrierende Warengeldstandards ein, Gold, Silber etc. pp.? ■ Jörg Guido Hülsmann: Die Ethik der Geldproduktion, Waltrop 2007 ■ Erich Weede: Unternehmerische Freiheit und Sozialstaat, Berlin 2008 ■ Frank A. Meyer: Das Nichts als Produkt, Cicero Juni 2009 ■ Reinhard K. Sprenger: Interview Schweizer Monatshefte März/April 2009 ■ Jung Chang & Jon Halliday: Mao, München 2005 ■ Robert Gellately: Lenin, Stalin und Hitler, Bergisch Gladbach 2009 ■ Philipp Plickert: Wandlungen des Neoliberalismus, Stuttgart 2008 ■ Konrad Adam: Der kurze Traum vom ewigen Leben, Waltrop 2009 ■ André Glucksmann: Bürgerliche Blasenwirtschaft, Schweizer Monatshefte, Mai/Juni 2009 ■ Michael Stürmer: Bürgerliches Trauerspiel, Schweizer Monatshefte, Mai/Juni 2009 1/2011 P.T. MAGAZIN 9

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