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P.T. MAGAZIN 01/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

(Foto: obs/Ford Werke

(Foto: obs/Ford Werke GmbH) Hat die Produktion in Deutschland Zukunft? Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit müssen sich der Bedeutung der Produktion als Kern unserer Volkswirtschaft bewusst sein Die statistische Aufteilung der Wirtschaft in drei Sektoren, den primären oder Agrarsektor, den sekundären oder Waren produzierenden Sektor und den tertiären oder Dienstleistungssektor verleitet zu der Vorstellung, dass diese Sektoren mehr oder weniger abgegrenzt existieren. Das ist falsch. Jede Volkswirtschaft bildet ein komplexes System – ein Beziehungsgeflecht innerhalb der Sektoren, aber auch zwischen den Sektoren. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Trotzdem findet sie nicht genügend Berücksichtigung. Enge Verknüpfungen werden unterschätzt Geht man den Ursachen für das hohe Wachstum des tertiären Sektors in den letzten Jahrzehnten nach, so wird deutlich, dass die wichtigsten Triebkräfte für die rasche Ausweitung der Dienstleistungsbereiche nicht von den privaten Haushalten ausgehen, sondern vor allem aus dem Produktionsbereich kommen. Die zunehmende Komplexität der von der Industrie erzeugten Systeme und Anlagen führte und führt zu einem überproportional wachsenden Bedarf an Software und anderen Dienstleistungen. Die Verknüpfung eines industriellen Produkts mit dazugehörigen Dienstleistungen ist ein zentraler Trend der modernen Industrieproduktion. Längst wird nicht mehr nur das nackte Produkt verkauft, sondern die komplette Problemlösung, bei der der Anteil der Software gegenüber der Hardware laufend an Bedeutung gewinnt. Die Software-„Produktion“ ergänzt bzw. verdrängt die Herstellung von Hardwareprodukten. Hinzu kommt, dass Industrieunternehmen früher selbsterstellte Dienstleistungen aus ihrem Produktionsbetrieb ausgegliedert und auf andere Unternehmen übertragen haben. Leider werden die gegenseitigen Abhängigkeiten oft nicht erkannt und unterstellt, dass im Produktionsbereich nur gefertigt wird. Die engen Verknüpfungen von Entwicklung, Fertigung und Logistik werden unterschätzt und nicht gesehen. Viele Fälle von unbedachtem Outsourcing belegen dies. Verbindung zum Kunden reißt ab Die These, dass wir in einer postindustriellen Gesellschaft leben, ist ein Irrtum. Nicht zuletzt wegen der hohen Außenhandelsüberschüsse stieß die Über-Industriealisierung auf Kritik, und es war die Rede von einer großen Dienstleistungslücke. Es kam die Forderung auf, auf einen Teil der industriellen Basis zu verzichten und stattdessen die Dienstleistungen forciert auszubauen. „Blaupausen“ statt Güter hieß die Parole so mancher Experten. Das ist ein Trugschluss. Eine Blaupause kann keinen Prototyp ersetzen – und ein Prototyp kein Produkt. Bei einer Trennung von Produktentwicklung und Fertigung würde ein Unternehmen bewusst auf das für eine Prozessoptimierung immer wichtiger werdende „Simultaneous Engineering“ und damit auch auf die für den Markterfolg entscheidende Verkürzung der Durchlaufzeiten verzichten. Hinzu kommt: Wer nur Blaupausen oder Dienstleistungen verkauft bzw. exportiert, büßt zwei entscheidende Voraussetzungen ein, die für einen dauerhaften Markterfolg wichtig sind: Erstens verliert er seine Kenntnisse in der Produktionstechnik, und zweitens reißt die Verbindung zum Endabnehmer, zum Kunden, ab. Die Lernschleife für die nächste Produktgeneration ist unterbrochen. 42 P.T. MAGAZIN 1/2011

Wirtschaft Garant unseres Wohlstandes Eine Technologie, die nur auf dem Reißbrett bzw. am Computer entworfen und nicht in der Praxis getestet wird, lässt sich nur schwer verkaufen. Auf eine Kurzformel gebracht heißt das: Eine Blaupause kann keinen Prototyp ersetzen und ein Prototyp kein Produkt, das in größerer Stückzahl wirtschaftlich hergestellt wird. Forschung und Entwicklung zahlen sich in der Regel nur aus, wenn man ihre Ergebnisse selbst in konkurrenzfähige Erzeugnisse umsetzt. Dafür ist das Beherrschen moderner Produktionstechnologien unabdingbar. Dass fehlendes Know-how in der Fertigungstechnik die Überlegenheit in der Produkttechnologie unterminiert, lässt sich an zahlreichen konkreten Fällen nachweisen. Vorteile in der Produkttechnologie lassen sich nicht verteidigen ohne konkurrenzfähige Fertigungstechniken, innovative Werkstofftechnologien und ohne die dazu erforderlichen Menschen, Maschinen und Anlagen. Wir befinden uns daher nicht auf dem Wege von der Fertigungs- zu einer reinen Dienstleistungsgesellschaft, sondern auf dem Weg von einer industriellen Wirtschaft zu einer anderen, in der die Produktion mit ihren produkt- und produktionsnahen Dienstleistungen ein Garant unseres Wohlstandes ist. Export bleibt wichtigste Stütze für Auf- schwung Angesichts der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise, die vor allem die exportorientierte Industrie Deutschlands getroffen hat, wird zunehmend Kritik an dem industrie- und produktionsorientierten Wirtschaftsmodell Deutschlands geübt. Kritisiert werden die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft und die chronische Schwäche der Inlandsnachfrage. Die deutsche Industrie ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung dauerhafter industrieller Güter, insbesondere auf Investitionsgüter. Dazu gehören nicht nur die großen Automobilhersteller mit ihren Zulieferern oder die Unternehmen der elektrotechnischen und chemischen Industrie, sondern vor allem die große Zahl mittelständischer Unternehmen aus dem Maschinenbau, die bei spezialisierten Segmenten oft Weltmarktführer sind. An der Exportlastigkeit der Bundesrepublik kann und soll man Bei spezialisierten Segmenten oft Weltmarktführer: mittelständische Unternehmen aus dem Maschinenbau – hier ein Landtechnik-Modell des Mittelstandspreisträgers HORSCH aus dem bayerischen Schwandorf. auch kurzfristig nichts ändern. Der Export ist und bleibt die wichtigste Stütze für den Konjunkturaufschwung. Eine wirtschaftliche Neuorientierung hin zur Reduzierung des Exportanteils der Eine Orientierung Deutschlands allein auf Spitzentechnologien kann die Wachstums- und Beschäftigungsschwächen der exportorientierten Industriesparten nicht kompensieren. Produktion* nach Branchen Veränderung in % ggü. Vorjahr „alten“ Industrien und Hinwendung allein auf Hightech würde die Vorteile des deutschen Wirtschaftsmodells und damit die Stärken deutscher Unternehmen in den „reifen“ Industrien mit allen ihren Konsequenzen ignorieren. Innovation unverzichtbar (Foto: HORSCH Maschinen GmbH) Eine Orientierung Deutschlands allein auf Spitzentechnologien, wie die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), die Bio- und Optischen Technologien oder die Nanotechnologie, die zwar international hohe Wachstumsraten erwarten lassen, kann die Wachstums- und Beschäftigungsschwächen der exportorientierten Industriesparten wie Maschinenbau, der Automobilindustrie, der Elektrotechnischen oder der Chemischen Industrien heute nicht kompensieren. Hinzu kommt, dass z. B. im Bereich der Informations- 2009 März 10 Aug 10 Produzierendes Gewerbe insgesamt -15,5 9,2 10,7 Investitionsgüterproduzenten -21,2 7,6 14,2 Verarbeitendes Gewerbe -17,2 10,4 12,5 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln -0,4 4,4 1,4 Herstellung von Textilien -19,4 12,4 11,9 Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus -12,0 8,6 6,7 Herstellung von chemischen Erzeugnissen -14,3 27,2 14,3 Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen -2,2 0,9 8,5 Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren -12,0 15,6 10,7 Metallerzeugung und -bearbeitung -27,1 42,4 13,3 Herstellung von Metallerzeugnissen -21,7 11,1 17,1 H.v. DV-Geräten, elektron. u. opt. Erzeugnissen -22,0 10,7 19,6 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen -21,4 11,2 21,5 Maschinenbau -25,9 -1,5 20,5 Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen -21,5 28,2 19,8 Sonstiger Fahrzeugbau -1,9 -6,9 -10,9 *Produktionsindex, arbeitstäglich bereinigt, 2005=100, Deutschland Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand vom 7.Oktober 2010 1/2011 P.T. MAGAZIN 43

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