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PT-Magazi 04 2018

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

PT-MAGAZIN 4/2018 Oskar-Patzelt-Stiftung © nuvolanevicata - stock.adobe.com 28 Der Unternehmer ist immer der Böse Von notwendiger Individualität und Qualifizierung beim Unternehmertum Wir leben in einer komplexen Welt. Um sich hierin zurecht zu finden, reduziert man gerne die Komplexität, oftmals auch durch Verallgemeinerungen. Dies schafft nicht nur Strukturen und macht einiges leichter, zugleich spart es Zeit, Aufwand und Mühen. Eine nicht seltene Verallgemeinerung: Der Unternehmer ist immer der Böse. Dieser durchaus in vielen Teilen der Bevölkerung manifestierte Gedanke gilt nicht nur bei TV-Krimis, auch viele Herausforderungen und Probleme des Alltags werden „dem Unternehmer“ zugeschrieben. Soziale Ungleichheiten als Folge nicht adäquater Entlohnung, Wohnungsknappheit und hohe Mieten in den Städten, die Verrohung der Jugend durch die Nutzung neuer Technologien und der Etablierung einer von Konsum getriebenen Gesellschaft oder gar die Brandschatzung von Natur im Globalen sowie die Versiegelung von Flächen durch Gewerbeflächen im Lokalen. Vielschichtigkeit in Sachen Unternehmertum Fakt ist: Unternehmen gestalten wie alle Gesellschaftsgruppen die Welt mit in der wir leben – in negativer wie in positiver Hinsicht. Aber eine pauschale Kritik „des“ Unternehmers ist falsch. Ihr muss entgegen gesteuert werden. Die Verallgemeinerung führt dazu, dass einzelne Negativbeispiele ganze Branchen in einen Negativsog ziehen. Man denke an den Exzess eines Versicherungsunternehmens im Zuge von Boni- Leistungen für das Management, an die Sippenhaft des Bankensektors nach dem Lehman-Kollaps oder die Mutmaßung, jedes nicht hierzulande produzierende Textilunternehmen tue dies unter menschenunwürdigen Bedingungen im Ausland. Dem ist mitnichten so. Aber wer nicht ins Detail blickt, der irrt. In der Realität steht den genannten Negativfällen eine große Anzahl an Positivbeispielen entgegen. Viele Unternehmen, gerade die familiengeführten Mittelständler hierzulande, stellen sich ihrer unternehmerischen Verantwortung und leben das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns als Teil der eigenen Unternehmens-DNA. Corporate Social Responsibility – ebenda die Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung als integraler Bestandteil der betrieblichen Kernkompetenz – wird sogar für stetig mehr Unternehmen zum Antrieb des unternehmerischen Wirkens. Mehr und mehr wird erkannt, dass die Auseinandersetzung mit den Themen Ökologie, Markt, Gemeinwesen und Arbeitsplatz betriebswirtschaftliche Mehrwerte mit sich bringt, sei es durch die Befriedigung der sich verändernden Konsumentenwünsche, durch die Einflussnahme auf die eigene Attraktivität als Arbeitgeber oder schlicht durch die langfristig sich möglicher Weise ergebende Frage der unternehmerischen Legitimität in Folge sich ändernder rechtlicher Rahmenbedingungen. Für die nachkommende Unternehmergeneration gehört die Aus-

Über den Autor einandersetzung mit Themen wie dem demografischen Wandel, der Klimaveränderung oder gesellschaftspolitischen Trends als Folge der Digitalisierung sogar bereits in hohem Maße zum Alltag. Oftmals ist sie sogar Triebfeder für das unternehmerische Wirken. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) testierte für Social Entrepreneurship jüngst sogar eine immer stärker werdende Relevanz hierzulande, wenngleich primär in den urbanen Gebieten. Fakt ist: Es gibt gute und schlechte Unternehmen, der Blick ins Detail ist hierbei aber insgesamt entscheidend und auch erforderlich. Qualifizierung in den Schulen in Sachen Unternehmertum Nebst Individualität bei der Betrachtung von Unternehmertum und deren Wirken sollte sich die Gesellschaft – und dies ist in noch höherem Maße bedeutsam – aktiver mit dem Unternehmerbild auseinandersetzen werden. Unternehmertum spielt im gesellschaftlichen und auch im politischen Diskurs – mit wenigen Ausnahmen kaum eine Rolle. Dies muss sich ändern. Schließlich beruht unser gesamtes Wirtschaftssystem auf der Fragestellung, wie mit begrenzten Ressourcen jeglicher Art – ob Kapital, Fläche, Vermögen, Arbeitsfaktoren oder Rohstoffen – „gewirtschaftet“ wird. Die Gesellschaft wie wir sie kennen hat ihr Fundament zu nicht geringem Anteil auf diesen ökonomischen Grundzusammenhängen gegründet. Unternehmertum muss daher stärker in den Fokus rücken – in all seiner Umfänglichkeit. So wird zwar wie oben beschrieben oftmals über Verfehlungen gesprochen, Leistungen © 07 july 2017 jedoch wie die Schaffung von Arbeitsplätzen und somit die Bereitstellung von Grundlagen zur Erwirtschaftung von Einkommen für Menschen ausgebelendet. Die Ausbildung junger Menschen und somit die Übernahme gesellschaftlich wünschenswerter Qualifizierung junger Menschen, die erbrachten Steuerleistungen oder auch die Prägung von Regionen sind weitaus seltener Betrachtungsgegenstand der öffentlichen Diskussion. Man redet eben lieber über schlechte Dinge. Der letzte Standortreport der IHK Würzburg-Schweinfurt zeigt zum Beispiel, dass die Betriebe in Mainfranken die fehlende Wahrnehmung unternehmerischer Belange durch die Politik und die Bevölkerung als eine wesentliche Schwäche einer Region sehen. Um unternehmerische Entscheidungen bewerten zu können, bedarf es entsprechender Kompetenzen, gerade bei jungen Menschen. Und hier mangelt es deutlich. Das Problem beginnt bereits in den Schulen. So konstatiert zum Beispiel eine Studie von DIE FAMILIENUNTERNEH- MER | DIE JUNGEN UNTERNEHMER aus dem Jahr 2017, dass das Unternehmerbild bundesweit in den Schulbüchern in den Fächern Geographie und Geschichte vernachlässigt werde. Gleiches gelte für die Unternehmerpersönlichkeit in den Schulbüchern für die Fächer Sozialkunde und Sozialwissenschaften. In den Schulbüchern für die Fächer Arbeit- Wirtschaft-Technik, Arbeitslehre und Gesellschaftslehre werde die Unternehmerpersönlichkeit kaum thematisiert und in vielen Schulbüchern für das Fach Wirtschaftslehre bleibe die Behandlung des Unternehmertums knapp. Der Global Entrepreneurship Monitor 2016/2017 reiht Deutschland in der Gruppe ausgewählter Industriestaaten beim Thema Vermittlung von Unternehmertum in schulischer / post-schulischer Phase gar auf die Ränge 46 und 47 von insgesamt 65. Wissensvermittlung rund um Unternehmertum, Unternehmerpersönlichkeit und Ökonomie sind Dipl.-Volkswirt Dr. Sascha Genders ist Bereichsleiter der IHK Würzburg-Schweinfurt für Standortpolitik, Existenzgründung und Unternehmensförderung und freiberuflicher Journalist, Publizist sowie Dozent. zwingender Weise und elementar für die Qualifizierung junger Menschen zu implementieren. Negativdarstellung und Unwissen blockieren Gründungsdynamik Die negative Darstellung von Unternehmen, als eine Folge der fälschlicher Weise stattfindenden Verallgemeinerungen, gepaart mit nicht vorhandenem Wissen führen letztlich dazu, dass es immer weniger Interessierte gibt, die selbst in die Rolle des Unternehmers schlüpfen wollen. Immer weniger Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Zwar sind hier auch Aspekte wie die positive konjunkturelle Situation gepaart mit einem boomenden Arbeitsmarkt und eine Verschiebung der Lebensziele heutiger im Vergleich zu früheren Generationen zu nennen. Dennoch ist ein falsch vermitteltes und zugleich aufgrund von fehlender Expertise nicht zu interpretierendes Unternehmerbild gleichfalls wesentlich dafür, dass junge Menschen denken, „So ein Unternehmer möchte ich nicht sein.“ Offensive für Unternehmertum Besteht gesellschaftlicher Konsens darüber, dass es Unternehmer braucht, benötigt es eine Offensive für Unternehmertum. Das Aufzeigen von Best Practice Beispielen ist hierbei ein wichtiger Ansatz, insbesondere um die oben genannten Ansätze verantwortungsvollen Unternehmertums und deren betriebswirtschaftliche Bedeutung in die Öffentlichkeit zu tragen. Zugleich muss die Wissensbasis geschaffen werden, um eine fundierte Auseinandersetzung mit Fragestellungen rund um eben dieses Unternehmertum zu ermöglichen. Das beginnt bei den Schulbüchern, geht weiter über die Qualifizierung derjenigen, die Wissen an Kinder und Jugendliche vermitteln, bei Kooperationen von Schulen mit Institutionen und Akteuren der Wirtschaft bis hin zum gesellschaftlichen Bekenntnis, dass es Unternehmertum für ein funktionierendes Gemeinwesen braucht. ó 29 PT-MAGAZIN 4/2018 Oskar-Patzelt-Stiftung

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